Interview mit Weitwanderer Ernst Jetzt

Was können wir von der Natur lernen? Wie wirkt sich das Wandern auf unsere Psyche aus? Und was ist mit „Meditieren mit den Füßen“ eigentlich genau gemeint? Fragen über Fragen, die wir an den Weitwanderer Ernst Jetzt gestellt haben. Viel Spaß beim Lesen!

Redaktion: Was ist weitwandern und wie haben Sie ihr Hobby zum Beruf gemacht?
Ernst Jetzt: Für mich persönlich ist das Weitwandern das wahre Pilgern. Weitwandern ist Meditieren mit den Füßen. Man geht in die Fremde… zu sich selbst und bewegt sich auf ursprünglichstem Terrain. Dogmenfrei. Spirituell emanzipiert – denn welche Orte und Wege sind heiliger und ursprünglicher als die Flora und Fauna der Natur in Österreich bzw. die der Alpen!?
Es ist eine Summe an vielem – z.B. das Glück in Österreich geboren worden zu sein, tiefen Begegnungen mit inspirierenden Persönlichkeiten, der Entscheidung mit 13 Jahren mit Meditation zu beginnen, nach der Matura mit sich selbst zu vereinbaren, dass man sich an der Begeisterung orientiert und später bestimmt mit dem kompromisslosen Entschluss von Wien nach Marrakesch zu gehen.

Redaktion: Wie oft „wandern“ Sie?
Ernst Jetzt: Die Regelmäßigkeit ist höchst unterschiedlich und auch mir nicht maßgeblich von großer Bedeutung. Vielmehr ist mir die Qualität des bewussten Gehens, Spaziergengehens, Bummelns, Wanderns oder Weitwanderns wichtig und unbestritten die Umgebung bzw. die Gespräche und Begegnungen.

Redaktion: Was hat Sie zum „Wandern“ inspiriert?
Ernst Jetzt: Das Meditieren mit den Füßen, die Entschleunigung, das in Beziehung treten mit sich selbst und seiner Umgebung. Das in der Natur sein bzw. „Werbung machen“ für das Weitwandern ist in tiefster Instanz auch ein aktivistischer Teil meines Lebens. Wer sich in der Natur aufhält, wird automatisch feiner, genauer mit seinem Selbst – dem Du, Ich & Wir. Dadurch entwickeln wir mehr Spürsinn für das Wesentliche, erkennen Schritt für Schritt mehr die Verantwortung für das Wir.

Redaktion: Wie sieht ein normaler Alltag für Sie aus, wenn sie nicht wandern?
Ernst Jetzt: Entschleunigt. – Ein guter Freund hat zu Zeiten des Covid19- Shut-Downs gemeint, dass sich die Welt nun an mein Tempo angepasst hat. Da ist durchaus etwas Wahres dran. Ansonsten gibt es bei mir nicht den normalen, klassischen, strukturierten Alltag. Ich schreibe in letzter Zeit wieder vermehrt, meditiere regelmäßig, koche „gesund“ (orientiert an TCM), trink täglich meinen Gaba-Tee, tausche mich gezielt bzw. bewusst mit Menschen aus, höre mir Gedanken von Bruder David Steindl Rast und Eckhart Tolle an.

Redaktion: Wo sind Ihre Gedanken beim Weitwandern? Denken Sie an etwas bestimmtes? Hören Sie Musik?
Ernst Jetzt: Letztes Jahr habe ich ab und an Ö1 oder Musik gehört. – Geh meinen „Gehdanken“ nach, schreibe sie nieder, versuche mich aber ebenso im Sein, umgeben von der Ruhe der Natur, zu versenken.

Ernst Jetzt

Weitwanderer Ernst Jetzt

Redaktion: Macht Ihnen das Weitwandern IMMER Spaß oder gibt es Tage/Momente wo Sie denken „Das ist jetzt mein Beruf ich muss es durchziehen, ob ich Lust habe oder nicht.“?
Ernst Jetzt: Ich bin nicht in der Position der vollkommenen, wirtschaftlich, selbstständigen Unabhängigkeit, wo ich mir Rosinen rauspicken kann. Deswegen gibt es Momente in meinem Beruf, in denen es eine gewisse Kompromissbereitschaft auf Kooperationsebene gibt. Das ist mir noch ein Dorn im Auge. Dennoch kann ich mir im Grunde keinen schöneren bzw. stimmigeren Beruf vorstellen und empfinde Herausforderungen als eine Chance sich weiterzuentwickeln, genauer zu werden und zu lernen.

Redaktion: Was können wir von der Natur lernen? Wie wirkt sich das Wandern auf unsere Psyche aus?
Ernst Jetzt:
Ich bin kein Psychologe, auch kein Zeitforscher, sondern nur einer, der von seinen Erfahrungen berichten kann, dass ich nach meinen Weitwandertouren u.a., mehr einen natürlichen Rhythmus verspüre, ausgeglichener bin, Momente der tiefen Verbundenheit verspüre, die ich in der Meditation ab und an erfahre, ich sensibler und genauer im Umgang mit mir selbst, dem Du und Wir werde. Holistischer denke und handle. Offener werde, etc. Die Natur ist eine Instanz des Erinnerns – d.h. sie erinnert an die Essenz des Seins.

Redaktion: Welche Pläne/Wanderwege stehen bevor?
Ernst Jetzt: Durch die Coronavirus-Zeit ist dies vorläufig schwer zu sagen. In Planung sind zwei größere Projekte im Juni und September, aber aufgrund des Respekts vor der zweiten Welle, sind einige Tourismusverbände und weitere Kooperationspartner, wie mir scheint, sehr vorsichtig.

Redaktion: Was Sind ihre persönlichen Tipps fürs Wandern im Hochsommer?
Ernst Jetzt: Genug zu trinken mitnehmen, Blasenpflaster, gscheites Schuhwerk, Merinowollsocken, Stöcke, um die Knie zu schonen und am Besten übers Wochenende 3 Tage wandern gehen, um eine Ahnung zu bekommen, warum das Weitwandern bzw. Pilgern so großartig ist.

Redaktion: Welche drei Dinge dürfen für Sie beim Wandern oder Pilgern nicht fehlen?
Ernst Jetzt: Offenheit, Spontanität und Genügsamkeit.

Redaktion: Welche (ihrer) Bücher können Sie abschließend zum Thema Weitwandern empfehlen?
Ernst Jetzt: Nachdem ich seit 15 Jahren meditiere hat für mich Weitwandern an sich einen sehr spirituellen Charakter. Weitwandern ist für mich meditieren mit den Füßen. Insofern würde ich eher raten sich grob zu informieren, welcher Weitwanderweg physisch machbar ist, welche Komponenten mir persönlich wichtig sind (Kulinarik, Landschaft, Kunst & Kultur, Komfort, etc.) und Bücher von Erich Fromm über die Liebe, Eckhart Tolle über das JETZT, Sylvester Walch über die Psyche oder Bruder David Steindl Rast über die Dankbarkeit lesen bzw. noch besser: zum Wandern mitnehmen. Ansonsten bin ich auch gerne bereit meine Weitwander-Erfahrungen zu teilen, sofern Fragen der Leserschaft auftauchen sollten.

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Mehr über Ernst Jetzt erfährst du hier: https://www.ernstjetzt.com/

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2020-06-29T11:43:43+01:00