Die Ausbildung zum Homöopathen in Österreich

3 Jahre. 15 Wochenenden und 350 Bildungsstunden. Wer sich in Österreich als Arzt zum Homöopathen ausbilden lassen möchte, der muss Einsatz zeigen. Dieser zahlt sich am Ende jedoch aus. Die Nachfrage der Menschen nach Experten im Feld der Homöopathie und Nahrungsergänzungsmittel steigt immer mehr. Patienten suchen nach Alternativen zur klassischen Schulmedizin. Bachblüten, Nahrungsergänzungsmittel und Homöopathie ist oftmals die Lösung. Wir verraten heute, welche Ausbildungen es gibt und wer sich überhaupt zum Homöopathen ausbilden lassen darf.

Nachfrage nach Experten auf dem Gebiet der Homöopathie steigt

Die Homöopathie hat schon immer mit dem Ruf zu kämpfen, keine „richtige“ medizinische Fachrichtung zu sein. Dabei unterliegt die Ausübung des Berufes des Homöopathen in Österreich strengen Richtlinien. Egal ob Ärzte, Hebammen oder Apotheker – die Anzahl der Experten, die sich mit Homöopathie und Nahrungsergänzungsmitteln beschäftigen und ihr Fachwissen erweitern wollen, steigt rasant. So auch die Nachfrage vieler Menschen, die einen bewussteren und aktiveren Umgang mit Medizin und ihren Möglichkeiten pflegen.

Rechtslage in Österreich

Die oberste Regel ist: Die Homöopathie ist eine ärztliche Methode und darf deswegen nur von Fachpersonal ausgeübt werden. Eine übergreifende europäische Rechtslage zur Ausübung und Anwendung der homöopathischen Medizin gibt es jedoch nicht. Auch innerhalb der Europäischen Union ist die Handhabung der Homöopathie Landessache. In Österreich ist die Ausübung des Berufes als Homöopath streng geregelt und unterliegt dem österreichischen Ärztegesetz. Eine homöopathische Beratung anbieten dürfen demnach nur Ärzte, Hebammen und Apotheker

Wenn Ärzte über den Tellerrand der Schulmedizin blicken

Die umfangreichste Homöopathie-Ausbildung durchlaufen Ärzte, die sie bei der Österreichischen Gesellschaft für Homöopathische Medizin in Wien (ÖGHM) oder bei der Ärztegesellschaft für Klassische Homöopathie (ÄKH) in Linz machen. Innerhalb von drei Jahren sind die Ärzte an 15 intensiven Wochenenden damit beschäftigt, die Theorie und Praxis der Homöopathie kennenzulernen. Im Fokus dabei steht die Frage: Was kann die Homöopathie und was kann sie nicht?

Innerhalb dieser drei Jahre wird intensiv in Arbeitsgruppen gearbeitet, in denen neben Theorie und Praxis auch die Arzneimittellehre und klinische Themen behandelt werden. In Intensivkursen vertiefen die zukünftigen Homöopathen ihr Wissen zur Arzneimittellehre. Hier steht auch die Arbeit mit Patienten im Fokus. Denn dies ist der Dreh- und Angelpunkt für ihre künftige Arbeit. Während der Ausbildung haben die Ärzte immer das Ziel im Blick: Das Kolloquium, das zugleich das Ende ihrer Ausbildung bedeutet. Hier diskutieren sie mit der Prüfungskommission Erfahrungen und ihre dokumentierten Krankengeschichten. Neben dem Praxiswissen bildet auch das Abfragen des theoretischen Wissens einen wichtigen Teil des Prüfungsprogramms: 120 Arzneimittel und deren Wirkung müssen die angehenden Homöopathen kennen. Bestehen sie die Prüfung, so bekommen sie das ÖÄK-Diplom „Komplementäre Medizin: Homöopathie“ und dürfen in Zukunft Patienten in diesem Gebiet betreuen.

Der Kreis des Lebens – Homöopathie im Kreissaal

Doch nicht nur Ärzte können sich zu Homöopathen ausbilden lassen; auch Hebammen können einen Ausbildungslehrgang machen, indem sie die Grundlagen der Homöopathie erlernen. Gemäß des § 5 im Hebammengesetz dürfen Hebammen in genau bezeichneten Fällen homöopathische Arzneimittel verabreichen.

Geburt, Stillen, Schwangerschaft, Wochenbett – an sieben Wochenenden lernen die Hebammen in 126 Stunden alle Grundlagen der Homöopathie kennen, die im engeren und weiteren Sinne ihre tägliche Arbeit betreffen und schließen die Ausbildung mit einer Prüfung ab. Anders als bei den Ärzten, stehen bei der Ausbildung „nur“ die 70 wichtigsten Arzneien im Mittelpunkt. Die ganze Ausbildung wird von praktischen Anwendungsfällen begleitet, denn die praktische Arbeit und das Üben anhand von echten Krankengeschichten ist essenziell für das erfolgreiche Anwenden nach der Ausbildung.

Pharmazeuten – erste Ansprechpartner bei akuten Leiden

Neben Ärzten und Hebammen, gibt es noch einen dritte Berufsgruppe, die sich zum Homöopathen ausbilden lassen darf – die Pharmazeuten. Wir alle kennen es aus persönlicher Erfahrung: Der erste Weg, wenn wir uns krank fühlen, ist oft jener zur Apotheke des Vertrauens. Zudem ist der Trend erkennbar, dass Patienten heutzutage verstärkt zu Alternativen zur klassischen Medizin greifen wollen. Erste Anlaufstelle für Beratung und Information sind deswegen oft die Pharmazeuten. Umso essenzieller ist es, dass diese die Methoden und Prinzipien der Homöopathie kennen.

Auch Hebammen können die Grundlagen der Homöopathie erlernen.

Die Ausbildung der Pharmazeuten ist in zwei Pharmazieteile aufgeteilt, in denen zum einen die Arzneimittelherstellung nach dem Homöopathischen Arzneibuch (HAB) im Fokus steht und zum anderen das Gespräch mit Kunden an der Tara geübt wird. In fünf Ausbildungsgruppen lernen sie dann von Theorie und Praxis bis hin zu Spezialwissen alles, was es über die Homöopathie in ihrem Einsatzfeld zu lernen gibt. Im Fokus dabei steht, dass die Pharmazeuten am Ende ihrer Ausbildung die Kunden fundiert beraten können. Den Abschluss der Ausbildung bilden zwei sogenannte Arzneitage, an denen das Arzneimittelwissen noch einmal vertieft wird. Wie auch bei der Ausbildung der Ärzte und Hebammen, bildet eine Prüfung den Abschluss der 126 stündigen Ausbildung.

Egal ob Ärzte, Hebammen oder Pharmazeuten – die Ausbildung zum Homöopathen in Österreich ist streng geregelt und erfordert den Erwerb eines großen theoretischen und praktischen Wissens, bis die homöopathische Behandlung oder Beratung schließlich durchgeführt werden darf.

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2019-05-16T09:07:28+01:00
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